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Meditation – ein seit alters bewährtes Heilmittel, um die Herausforderungen der heutigen Zeit zu bewältigen – Teil 2

November 10, 2020

Meditation – ein seit alters bewährtes Heilmittel, um die
Herausforderungen der heutigen Zeit zu bewältigen

Ein Interview mit Bruder Achalananda – Teil 2
B Meditation Ancient Panacea For Our Modern Day Challenges Part 2 Brother Achalananda Jpg

(Dies ist der zweite Teil einer dreiteiligen Serie)

flower

Interviewer: Was ist Ihrer Erfahrung nach der wichtigste Faktor für Erfolg oder Fortschritt in unseren Meditationsübungen?

Bruder Achalananda: Der entscheidende Punkt ist, regelmäßig zu sein - jeden Tag zu meditieren und einfach durchzuhalten. Wenn man anfängt zu meditieren, dann immer wieder aufhört und es nach eine Weile wieder aufnimmt, verlangsamt man seine Entwicklung erheblich. Wenn Sie Fortschritte erzielen wollen, müssen Sie täglich meditieren.

Nicht aufzugeben ist sehr wichtig. Deshalb habe ich mir zum Motto gemacht, als ich in den Ashram eintrat: »Mach immer weiter, gib nie auf.« Geben Sie niemals auf, ganz gleich, was Ihnen passiert. Weigern Sie sich aufzugeben, sagen Sie sich: »Nein, ich werde durchhalten. Ich werde mich durchkämpfen und weitermachen.« Sie müssen fest entschlossen sein. Es wird nicht funktionieren, wenn Sie nur halbherzig sind, denn es werden Prüfungen kommen – Sie werden versucht sein, in Ihren Meditationsbemühungen nachzulassen oder sie aufzugeben, weil es den Anschein hat, dass Sie keine Fortschritte erzielen. Aber wenn Sie es einfach weiter versuchen, werden Sie schließlich solche »Trockenperioden« bewältigen und plötzlich feststellen, dass Sie einen höheren Bewusstseinszustand erlangt haben. Dann werden Sie sehr froh darüber sein, dass Sie durchgehalten haben.

»Nicht aufzugeben ist sehr wichtig. Deshalb habe ich mir zum Motto gemacht, als ich in den Ashram eintrat: »Mach immer weiter, gib nie auf.«

Interviewer: Was kann man noch tun, damit sich in der Meditation Erfolg einstellt?

Bruder Achalananda: Es gibt bestimmte Punkte, die uns helfen können, unsere Meditationen zu vertiefen. Einer davon ist, zu lernen, während der Meditation still zu sitzen und sich nicht zu bewegen: Nehmen Sie eine bequeme Haltung ein und bewegen Sie sich dann nicht mehr. Wenn Sie das ungefähr 45 Minuten lang tun können, werden Sie feststellen, dass sich die Sinneswahrnehmungen sich abschwächen. Sie sind dann nicht mehr so stark mit der Schöpfung verbunden.

Ich erinnere mich, dass ich einmal eine ganztägige Weihnachtsmeditation leitete und nur mein dünnes Mönchshemd trug. Ich hatte einen Chuddar [Schal] über meine Schultern gelegt, falls mir kalt werden sollte. Die Fenster waren teilweise geöffnet, um frische Luft hereinzulassen, und schon bald begann es kalt zu werden. Dann dachte ich: »Warum probierst du nicht einmal, ob du es aushältst, nur so aus Neugierde?« Und dann muss sich jemand darüber beschwert haben, dass er zu wenig frische Luft bekäme, also öffnete der Ordner ein weiteres Fenster oder eine Tür gleich neben dem Platz, an dem ich saß, so dass die kühle Brise nun direkt auf mich wehte. Als sie mich zum ersten Mal traf, dachte ich: »Wow, ist das kalt! Ich weiß nicht, ob ich das aushalten kann.« Dann dachte ich mir: »Na ja, warum schaust du nicht einfach mal, was passiert? Bleib einfach sitzen, beweg Dich nicht und sieh, was geschieht.« Und so saß ich die restlichen vier Stunden da und bewegte mich nicht. Ich fühlte keine Kälte oder nur ganz leicht. Aber in dem Moment, in dem ich mich bewegte, dachte ich, »Huh, es ist wirklich kalt hier drin!«

Wir können diese Dinge also kontrollieren, wissen allerdings oft nicht wie, weil wir sie noch nie durchlebt haben. Wenn wir uns aber darum bemühen, entdecken wir, dass wir sie unter Kontrolle bringen können.

Zu Beginn meiner Zeit im Ashram hörte ich, wie Sri Daya Mata [1914 - 2010] – sie war die Präsidentin der SRF und eine fortgeschrittene Jüngerin Paramahansa Yoganandas – uns Ordensjünger wiederholt darauf hinwies, dass wir lernen sollten, uns nicht zu bewegen, wenn wir meditieren. Und trotzdem brauchte ich lange, bis ich es ernst nahm und anfing, mich darum zu bemühen. Wie viele andere konnte ich zu Beginn nicht einmal fünf Minuten stillsitzen, ohne mich zu bewegen.

Eine weitere gute Möglichkeit, um die Meditation zu vertiefen, besteht darin, sich hier auf das geistige Auge [auf den Punkt zwischen den Augenbrauen] zu konzentrieren. Früher habe ich manchmal meinen Finger dorthin gelegt, damit ich meine Augen nach oben richten konnte und genau wusste, wohin ich schauen musste, denn in der Meditation sollen die Augen nach oben blicken. Dies ist ein weiterer Aspekt der SRF-Lehre, den Daya Mata gegenüber den Ordensjüngern deutlich betont hat. Und als ich es lernte, entdeckte ich, dass es wie mit dem Stillsitzen war: Einfach die Augen zu heben und die Aufmerksamkeit auf das geistige Auge zu richten, hilft einem, den Geist zu verinnerlichen. Wenn die Augen so weit herabsinken, dass man geradeaus schaut, dann wird der Geist aktiv, und man stellt fest, dass man unruhig wird. Und wenn sie noch weiter nach unten sinken, so dass der Blick abwärts gerichtet ist, dann neigt man dazu einzuschlafen.

B Meditation Ancient Panacea For Our Modern Day Challenges Part 1

Interviewer: Ist die Lehre der SRF mit dem Leben in der heutigen Welt vereinbar?

Bruder Achalananda: Die Lehre der SRF ist mit jeder Lebensart vereinbar und ganz sicher mit dem heutigen Leben. Aber passen die Menschen zu der Lehre? Wir müssen es umdrehen. Die Lehre ist immer passend und wird Sie, wie Paramahansaji es ausdrückte, genau so weit bringen, wie Sie in Ihrer eigenen Entwicklung und in Ihrem geistigen Fortschritt gehen wollen, und letztlich zu den höchsten Zuständen geistigen Bewusstseins führen. Nach all den vielen Jahren, in denen ich dieser Lehre gefolgt bin, kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass ich große geistige Fortschritte machen konnte. Mein ganzes Leben hat sich verändert; es fällt mir schwer, überhaupt wiederzuerkennen, wie ich früher war, als ich vor etwa sechzig Jahren diesen geistigen Weg begann. Ich erinnere mich, dass ich Daya Mata das vor vielen Jahren über sich selbst sagen hörte, und jetzt kann ich es auch über mich sagen: Es fällt mir schwer, mich daran zu erinnern, wie ich einmal war.

Um Ihnen ein Beispiel zu nennen: Als ich in den Ashram eintrat, gab es bei den Mönchen einen Brauch: Jeder von uns schrieb anonym auf, welche vorherrschenden positiven Eigenschaften er in jedem anderen seiner Mitbrüder sah. Diese Notizen wurden dann zusammengetragen und für alle zum Lesen ausgehängt. Es war eine lustige Art, sich gegenseitig zu ermutigen und auch einen Einblick zu bekommen, wie die anderen einen sahen. Der Begriff »Willenskraft« tauchte häufig im Zusammenhang mit meinem Namen auf, und das war eine Eigenschaft, die ich schon früh in meinem Leben hatte. Erst später habe ich begonnen, auch die Eigenschaften der Demut und Liebe wirklich zu schätzen und bewusst zu entwickeln. Seit vielen Jahren nun bemühe ich mich bewusst darum, alle Menschen lieben zu lernen, unabhängig davon, ob sie mich mögen oder nicht. Dazu gehört, dass man lernt, Menschen so anzunehmen, wie sie sind, statt zu versuchen, sie zu ändern. Ich habe gelernt, mich darauf zu konzentrieren, mich selbst zu ändern. Wann immer eine Situation entsteht, in der sich jemand so verhält, dass ich es als unangenehm empfinde, sage ich mir: »Warum lasse ich zu, dass mich das Verhalten dieser Person stört? Ich will stattdessen darauf achtgeben, wie ich reagiere.«

Warum sind wir auf dem geistigen Weg? Wir versuchen, das Ego zu überwinden, damit wir die Seele zum Ausdruck bringen können. Wenn wir uns darauf konzentrieren, uns selbst zu ändern, verändert das unsere Perspektive vollständig. Es gibt uns die Möglichkeit, an etwas Positivem zu arbeiten, anstatt uns in etwas Negatives zu verstricken. Die Fähigkeit, das zu tun – wie auch die Fähigkeit, selbst denen Liebe zu schenken, die sich uns gegenüber feindselig verhalten, entwickelt sich allmählich, wenn wir uns jahrelang geistig bemühen.

flower

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